Goethes Lyrik

Goethes Lebenszeit fällt in jene historische Epoche, in der der Umbruch von vormoderner zu moderner Gesellschaft stattfindet: Nicht mehr die ständische Gliederung der Gesellschaft bestimmt die Identität des Einzelnen, vielmehr muss das neue, bürgerliche Individuum sich aus sich selbst und seiner Geschichte bestimmen lernen. Lyrik ist gleichsam die privateste, individuellste Form literarischen Sprechens – und Goethes Lyrik begleitet und reflektiert vielstimmig den Prozess der Herausbildung der neuen Form menschlicher Individualität zwischen 1770 und 1832. In Goethes Lyrik bestimmt sich das Individuum neu und in vielfältigen Dimensionen: als Schöpfer, Künstler und Dichter, im Verhältnis zur Natur, zur Gesellschaft, zur Liebe, zu Gott, Göttern, Göttlichem und vielem anderen mehr; Goethes Lyrik reflektiert differenziert und in einer oft neuartigen literarischen Bildsprache das Spannungsverhältnis zwischen gesellschaftlicher, kultureller und anthropologischer Bestimmung des Menschen und seiner autonomen Selbstsetzung. Eine umfangreiche wie repräsentative Auswahl aus Goethes lyrischem Gesamtwerk zwischen «Mayfest» und der «Trilogie der Leidenschaft» wird Gegenstand der Arbeit im Goethe-Sommerkurs sein.


							



Kursleitung:

Prof. Dr. Benedikt Jeßing, Universität Bochum
Prof. Dr. Terence James Reed, Universität Oxford
Dr. des. Christopher Meid, Universität Freiburg




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